Mensch-über-Bord-Manöver üben
Mit Fender und Pütz das Manöver trainieren, bis es sitzt.
Worum es geht
Wenn eine Person über Bord geht, zählt jede Sekunde. Wasser kühlt schnell aus, Wellen verbergen den Kopf, und das Boot entfernt sich rasch. Ob die Rettung gelingt, hängt davon ab, wie gut die Crew das Manöver geübt hat. Theorie reicht nicht. Dieser Beitrag zeigt dir die ersten Sekunden, die gängigen Manöver unter Segel und Motor, die Bergung und wie du regelmäßig übst.
Die ersten Sekunden
1. Laut „Mensch über Bord“ rufen. 2. Eine Person zeigt dauerhaft auf den Menschen im Wasser und lässt ihn nicht aus den Augen. 3. Rettungsring oder Rettungsboje und Markierungsboje werfen. 4. MOB-Taste am Plotter oder GPS drücken, das speichert die Position. 5. Manöver einleiten, Crew informieren. 6. Bei schlechter Sicht, Dunkelheit oder großer Entfernung früh einen Notruf über DSC und UKW absetzen. Diese Schritte müssen ohne Nachdenken klappen. Deshalb werden sie geübt.
Manöver unter Segel
• Quick-Stop: Das Boot wird sofort durch den Wind gedreht und kreist um die Person. Es bleibt nahe am Menschen im Wasser und eignet sich besonders für kleine Crews. • Q-Wende: Das Boot fährt zuerst etwas weiter, wendet und läuft die Person von Lee aus mit wenig Fahrt an. • Halsemanöver: Bei starkem Wind oder unter Spinnaker oft sinnvoller. Welches Manöver passt, hängt vom Boot, Wind und Kurs ab. Übe mehrere, damit du flexibel bist.
Manöver unter Motor
Unter Motor geht es meist schneller, aber der Propeller ist eine Gefahr für die Person im Wasser. Fahr die Person langsam an, nimm kurz vor dem Erreichen die Kraft aus der Schraube, und kupple aus, sobald sie längsseits ist. Achte darauf, dass keine Leinen ins Wasser hängen, die in die Schraube kommen könnten. Viele Crews kombinieren: Segel bergen, Motor an, Person anfahren.
Die Bergung
Die Person zu erreichen ist das eine, sie an Bord zu holen das andere. Eine erschöpfte, nasse Person in Kleidung ist sehr schwer. Hilfsmittel sind: • Eine Rettungsschlinge an einer Leine, die um die Person gelegt wird • Eine Badeleiter, die auch vom Wasser aus zu erreichen ist • Eine Talje oder ein Fall mit Winsch, um die Person hochzuziehen • Ein Bergenetz oder eine Bergeschlinge Wer lange im kalten Wasser war, sollte möglichst waagerecht geborgen werden, um den Kreislauf zu schonen. Danach: warm halten, ärztliche Hilfe holen.
Üben, aber richtig
• Übe mit einem Fender und einem Eimer, verbunden zu einem Ziel, das ähnlich treibt wie ein Mensch. • Wirf das Ziel ohne Ankündigung und lass die Crew reagieren. • Übe unter Segel und unter Motor, auf allen Kursen. • Wechsle die Rollen: Jeder sollte einmal Rudergänger, Ausguck und Werfer sein. • Übe auch die Bergung, zum Beispiel mit einer freiwilligen Person in Rettungsweste bei ruhigem Wetter im Hafen. • Mach die Übung jede Saison und mit jeder neuen Crew.
Vorbeugen ist besser
Das beste MOB-Manöver ist das, das nie nötig wird. Strecktaue an Deck, Lifebelts, die Regel „nachts und bei Wind immer eingepickt“ und eine Hand für das Boot verringern das Risiko stark. Viele Unfälle passieren beim Wasserlassen über die Reling, nachts und allein. Deshalb gilt: Nachts nie allein an Deck ohne Lifebelt.
Unser Tipp
Lass jede neue Crew am ersten Tag ein MOB-Manöver mit einem Fender fahren. Das dauert zwanzig Minuten und zeigt dir, wie gut die Crew zusammenarbeitet. Und erkläre, dass ein Fehler bei der Übung gut ist: Er passiert dann nicht im Ernstfall.
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