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Seekrankheit verstehen

Redaktion-29.10.2026

Ursachen, Vorbeugung und Mittel, die wirklich helfen.

Worum es geht

Seekrankheit trifft fast jeden irgendwann, auch erfahrene Segler. Sie beginnt mit Müdigkeit, Gähnen und Unwohlsein und kann bis zu starkem Erbrechen und völliger Erschöpfung gehen. Gefährlich wird sie, wenn die Person nicht mehr trinkt, an Deck unaufmerksam wird oder ein wichtiges Crewmitglied ausfällt. Dieser Beitrag erklärt, wie Seekrankheit entsteht, wie du vorbeugst und welche Mittel helfen. Er ersetzt keine ärztliche Beratung.

Wie Seekrankheit entsteht

Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr spürt die Bewegungen des Bootes. Die Augen sehen unter Deck aber einen ruhigen Raum. Diese widersprüchlichen Signale verwirren das Gehirn, und es reagiert mit Übelkeit. Deshalb wird vielen unter Deck schneller übel als an Deck mit Blick auf den Horizont. Müdigkeit, Kälte, Angst, Alkohol vom Vorabend, fettiges Essen und Gerüche wie Diesel verstärken die Beschwerden. Die meisten Menschen gewöhnen sich nach zwei bis drei Tagen an die Bewegung.

Vorbeugen

• Gut ausgeschlafen an Bord gehen, am Vorabend wenig Alkohol • Leicht und regelmäßig essen, nicht mit leerem Magen ablegen • Viel trinken, in kleinen Schlucken • An Deck bleiben, an der frischen Luft, mit Blick auf den Horizont • Steuern: Wer steuert, sieht die Wellen kommen und wird seltener krank • Unter Deck nur kurz arbeiten, nicht lesen oder auf Bildschirme schauen • Warm und trocken bleiben • In der Mitte des Bootes aufhalten, wo die Bewegungen am geringsten sind

Medikamente

Es gibt Mittel gegen Seekrankheit, rezeptfrei und verschreibungspflichtig. Verbreitet sind Antihistaminika wie Dimenhydrinat, die es rezeptfrei als Tabletten, Kaugummis oder Zäpfchen gibt, und Pflaster mit dem Wirkstoff Scopolamin, die verschreibungspflichtig sind. Alle wirken am besten, wenn sie vor der Abfahrt eingenommen werden, nicht erst, wenn die Übelkeit da ist. Viele machen müde und können die Reaktion verlangsamen. Für Schwangere, Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen gelten besondere Regeln. Lass dich deshalb vor dem Törn von Arzt oder Apotheke beraten und probiere das Mittel einmal an Land aus.

Hausmittel und Alternativen

Ingwer, Akupressurbänder am Handgelenk und frische Luft werden oft empfohlen. Ihre Wirkung ist wissenschaftlich weniger gut belegt als die von Medikamenten, viele empfinden sie aber als hilfreich, besonders bei leichter Übelkeit. Sie schaden nicht und können eine Ergänzung sein.

Wenn es jemanden erwischt hat

1. Die Person an Deck bringen, an einen geschützten Platz in Luv mit Blick auf den Horizont. 2. Gegen Kälte schützen, denn Seekranke kühlen schnell aus. 3. Lifebelt einpicken, besonders wenn sie sich über die Reling beugen muss. Am besten in Lee übergeben lassen, aber gesichert. 4. Kleine Mengen trinken lassen, Wasser oder Elektrolytlösung, dazu Zwieback oder trockenes Brot. 5. Wenn die Person schlafen kann, in die Koje legen, am besten mittschiffs, liegend mit geschlossenen Augen. 6. Aufgaben anpassen: Wer schwer seekrank ist, darf keine Wache allein gehen.

Wann es gefährlich wird

Wer über viele Stunden erbricht und nichts mehr bei sich behält, trocknet aus. Warnzeichen sind sehr wenig Urin, Schwindel, Verwirrtheit und Kreislaufprobleme. Dann ist ärztlicher Rat nötig, auf See über Telemedizin. Lange Überfahrten mit einer schwer seekranken Person müssen eventuell abgebrochen werden.

Typische Fehler

• Medikament erst nehmen, wenn die Übelkeit da ist. • Seekranke unter Deck in die Vorschiffskoje schicken: Dort ist die Bewegung am stärksten. • Nicht trinken, um nicht erbrechen zu müssen. • Seekrankheit als Schwäche abtun: Sie ist keine Frage des Willens.

Unser Tipp

Plane die ersten Stunden eines Törns ruhig: kurze Strecke, gutes Essen vorab, alle an Deck. Wer weiß, dass er empfindlich ist, steuert in der ersten Stunde. Und sprich offen über Seekrankheit an Bord. Wer sich traut zu sagen, dass ihm übel ist, bekommt früher Hilfe.

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