Meltemi-Saison in der Ägäis
Wie man mit dem starken Sommerwind plant und gute Rückzugsorte findet.
Worum es geht
Der Meltemi ist der kräftige Sommerwind der Ägäis. Er weht meist aus nördlichen Richtungen, im Norden eher aus Nordost, in den Kykladen aus Nord bis Nordwest. Er bringt klares Wetter und sorgt für tolles Segeln, kann aber über Tage mit 6 bis 7 Beaufort und mehr blasen und eine kurze, steile See aufbauen. Wer die Kykladen im Juli und August segelt, plant mit ihm. Dieser Beitrag zeigt dir, wie du den Meltemi verstehst, deine Route anpasst und gute Rückzugsorte findest.
Wann und wie er weht
Die Meltemi-Saison liegt grob zwischen Juni und September, mit dem Höhepunkt im Juli und August. Er entsteht durch den Druckunterschied zwischen einem Hoch über dem Balkan und einem Hitzetief über der Türkei und dem Nahen Osten. Typisch ist ein Muster: morgens oft schwächer, am Nachmittag am stärksten, abends teils abflauend. Oft weht er aber auch nachts weiter. Phasen von drei bis fünf Tagen mit kräftigem Wind sind häufig, unterbrochen von ruhigeren Tagen.
Düsen und Fallböen
Zwischen Inseln, an Kaps und in Meerengen beschleunigt der Wind deutlich. Auf der Leeseite hoher Inseln kommen starke Fallböen von den Bergen herunter, auch wenn das Wasser ruhig wirkt. Die Wettervorhersage für das offene Meer unterschätzt diese lokalen Effekte oft. Rechne in Düsen mit ein bis zwei Windstärken mehr als vorhergesagt und reffe früh.
Die Route mit dem Wind planen
• Plane nach Süden, solange der Meltemi weht. Der Wind schiebt von hinten oder schräg achtern, das Segeln ist angenehm. • Gegen den Meltemi nach Norden zu kreuzen ist mühsam und nass. Nutze dafür ruhigere Tage oder den frühen Morgen. • Viele Charterrouten starten in Athen oder im Norden der Kykladen und enden im Süden, oder sie sind als Rundtour angelegt, die die schwache Phase für den Rückweg nutzt. • Plane jeden Tag Ausweichhäfen ein, falls der Wind stärker wird als erwartet.
Gute Rückzugsorte finden
Ein guter Platz im Meltemi ist auf der Südseite einer Insel, wo Land und Hügel den Wind abhalten, ohne dass starke Fallböen herunterkommen. Häfen mit Molen, die nach Norden schützen, sind ideal. Im Revierführer findest du für jede Insel Hinweise, welche Buchten bei Nordwind sicher sind. Achte darauf, dass auch der Schwell nicht um die Inselspitze herumläuft. Wer frühzeitig einläuft, bekommt die besten Plätze.
Ankern und Festmachen bei Wind
Im Meltemi musst du mit Böen rechnen, die das Boot stark bewegen. Stecke viel Kette, fahre den Anker kräftig ein und nutze in engen Buchten eine Landleine. In Häfen mit römisch-katholischem Festmachen, also Heck zur Pier mit Buganker, ist starker Seitenwind die größte Herausforderung. Ein gut gesetzter Anker mit viel Kette und eine Crew, die schnell Leinen übergibt, sind entscheidend. Halte genug Abstand zur Pier, damit Böen das Heck nicht an die Mole drücken.
Typische Fehler
• Eine Route nach Norden im Hochsommer planen. • Zu spät reffen: In Böen ist es dann zu spät. • Die Wettervorhersage für das offene Meer auf Düsen übertragen. • Spät am Tag einlaufen: Die guten Plätze sind dann weg, und der Wind ist am stärksten.
Unser Tipp
Starte früh am Morgen, wenn der Wind oft noch schwächer ist, und sei am frühen Nachmittag im nächsten Hafen. Plane einen oder zwei Hafentage ein, wenn der Meltemi richtig bläst. Die Kykladen sind dafür gemacht: Ein Tag im weißen Dorf oben auf dem Hügel ist kein verlorener Tag.
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