Kanaren vor dem Absprung
Häfen, Ausrüster und Vorbereitung vor der Atlantiküberquerung.
Worum es geht
Die Kanarischen Inseln sind für die meisten Yachten der letzte Halt vor der Atlantiküberquerung in die Karibik. Hier wird proviantiert, repariert, geprüft und auf das richtige Wetterfenster gewartet. Im Herbst treffen sich in den Häfen Hunderte Langfahrtsegler. Das ist gesellig, aber auch voll und teuer. Dieser Beitrag hilft dir, die richtige Insel zu wählen, die Vorbereitung zu ordnen und den Absprung zur richtigen Zeit zu machen.
Die richtige Zeit
Die Hurrikan-Saison im Atlantik dauert offiziell bis Ende November. Deshalb starten die meisten Yachten zwischen Ende November und Januar von den Kanaren. Dann ist der Passat meist stabil eingesetzt. Wer früher startet, riskiert schwache oder unbeständige Winde und späte tropische Stürme. Viele fahren vorher noch über die Kapverden, um die Strecke zu teilen und weiter südlich in den Passat zu kommen.
Welche Insel?
• Gran Canaria: Las Palmas ist der größte Hafen mit den meisten Ausrüstern und Werkstätten. Im Herbst ist er sehr voll, besonders vor dem Start der großen Rallye. • Teneriffa: Santa Cruz und andere Häfen mit guter Versorgung und Flugverbindung. • La Gomera: San Sebastián ist ruhig, klein und ein beliebter letzter Halt. • Lanzarote: Arrecife und andere Häfen bieten Werften und Lagerplätze, ein guter erster Halt aus dem Norden. Wähle die Insel nach dem, was du noch erledigen musst: Für große Reparaturen nimm einen großen Hafen, für die letzten Tage vor dem Start einen ruhigen.
Die Vorbereitung ordnen
Erstelle eine Liste in drei Kategorien: • Sicherheit: Rigg prüfen, Rettungsinsel gewartet, EPIRB registriert, Lifelines und Strecktaue, Erste-Hilfe-Ausrüstung, Notpinne getestet. • Technik: Motor gewartet, Filter und Impeller getauscht, Ersatzteile an Bord, Autopilot und Windsteueranlage getestet, Energieversorgung geprüft, Wassermacher konserviert oder in Betrieb. • Versorgung: Proviant für die Überfahrt plus Reserve, Wasser, Diesel, Gas, Medikamente. Arbeite die Liste in der Reihenfolge ab, in der Ersatzteile und Handwerker am längsten brauchen. Teile vom Festland zu bestellen kann Wochen dauern.
Das Revier zwischen den Inseln
Zwischen den Kanarischen Inseln entstehen Düseneffekte: Wo der Passat zwischen hohen Inseln durchströmt, frischt er stark auf, oft deutlich über dem Wetterbericht. An den Inselspitzen und in den Durchfahrten sind 25 bis 35 Knoten keine Seltenheit, auch wenn im offenen Wasser nur 15 Knoten wehen. Reffe früh, bevor du in solche Zonen kommst. In Lee der Inseln gibt es dagegen oft Flauten und Böen von den Bergen.
Wetterfenster für den Start
Warte nicht auf das perfekte Fenster, aber starte nicht in ein Tief. Gute Bedingungen sind ein etabliertes Azorenhoch und gleichmäßiger Nordostpassat. Viele segeln zuerst Richtung Süden, bis der Passat verlässlich weht, und biegen dann nach Westen ab. Hol dir mehrere Wettermodelle, und sprich mit anderen Crews, die zur selben Zeit starten wollen.
Typische Fehler
• Zu spät ankommen: Dann stauen sich Reparaturen und Handwerker sind ausgebucht. • Keinen Liegeplatz reservieren: In der Hochsaison sind Häfen voll. • Proviant zu früh kaufen: Frisches Obst und Gemüse erst in den letzten Tagen holen. • Ohne Testtörn starten: Fahr nach Reparaturen einen Probeschlag, um Fehler im Hafen statt auf See zu finden.
Unser Tipp
Plane zwischen Ankunft und Start mindestens drei bis vier Wochen ein. Dann bleibt Zeit für Reparaturen, für einen Probeschlag zwischen den Inseln und für Ruhe. Wer ausgeschlafen und ohne offene Baustellen startet, hat auf dem Atlantik deutlich mehr Freude.
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