Reisezeiten und Wetterfenster
Wann welche Ozeane überquert werden und warum die Jahreszeiten so wichtig sind.
Worum es geht
Auf Langfahrt segelst du mit dem Wetter, nicht gegen es. Die großen Routen um die Welt folgen den Passatwinden und meiden die Hurrikan- und Zyklonsaisons. Wer zur falschen Zeit startet, kämpft gegen Wind und Strom oder gerät in tropische Stürme. Wer die Jahreszeiten kennt, segelt mit achterlichem Wind und kommt sicher an. Dieser Beitrag gibt dir einen Überblick über die wichtigsten Reisezeiten und zeigt, wie du innerhalb der Saison das richtige Wetterfenster findest.
Die großen Regeln
• Tropische Wirbelstürme: Auf der Nordhalbkugel ist die Saison grob von Juni bis November, auf der Südhalbkugel grob von November bis April. In den betroffenen Gebieten plant man diese Monate an einem sicheren Ort oder außerhalb der Zone. • Passatwinde: Sie wehen auf beiden Seiten des Äquators beständig aus Osten und sind die Grundlage der klassischen Barfußroute um die Welt. • Westwindzonen: Weiter vom Äquator entfernt herrschen westliche Winde mit wandernden Tiefs. Hier segelt man ostwärts, etwa auf dem Rückweg über den Atlantik. • Monsun: Im nördlichen Indischen Ozean wechselt der Wind mit den Jahreszeiten die Richtung.
Der Atlantik im Jahreslauf
• Spätsommer: Viele verlassen Nordeuropa im Juli oder August und segeln über die Biskaya nach Portugal und Spanien. Die Biskaya sollte vor dem Herbst mit seinen Stürmen gequert sein. • Herbst: Madeira, Kanaren, eventuell Kapverden. Zeit für Vorbereitung. • November bis Januar: Start in die Karibik, wenn die Hurrikan-Saison vorbei und der Passat stabil ist. • Winter und Frühjahr: Karibik. • Mai und Juni: Rückweg nach Europa über die Bermudas und Azoren oder Weiterfahrt in den Pazifik.
Pazifik und Indischer Ozean
• Panamakanal: Viele passieren ihn im Februar oder März. • Pazifik: Von März bis Mai Start zu den Marquesas, dann bis zum Herbst durch Polynesien, Tonga und Fidschi. Vor der Zyklonsaison ab November geht es nach Neuseeland oder Australien. • Indischer Ozean: Die Überquerung wird meist zwischen Mai und Oktober geplant, wenn auf der Südhalbkugel keine Zyklone drohen. Der Weg ums Kap der Guten Hoffnung verlangt ein gutes Wetterfenster. Die genauen Zeiten hängen von der Route ab. Standardwerke zu weltweiten Segelrouten und Pilot Charts mit Windstatistiken helfen bei der Planung.
Das richtige Wetterfenster finden
Innerhalb der Saison suchst du ein Fenster mit passendem Wind für die ersten Tage, idealerweise für die ganze Strecke. So gehst du vor: 1. Einige Tage vor dem geplanten Start die Wetterentwicklung beobachten: Gribfiles, Textvorhersagen, Wetterkarten. 2. Mehrere Modelle vergleichen. Stimmen sie überein, ist die Vorhersage zuverlässiger. 3. Auf die ersten 48 bis 72 Stunden achten, denn sie sind am besten vorhersagbar und bringen dich aus dem Küstenbereich. 4. Fluchtwege planen: Wohin, wenn das Wetter umschlägt? 5. Entscheiden und nicht zu lange warten: Das perfekte Fenster gibt es selten.
Entscheidungshilfe
• Wenn die Vorhersage für die ersten Tage Starkwind gegen deinen Kurs zeigt, warte. • Wenn die Modelle stark voneinander abweichen, warte auf mehr Klarheit. • Wenn ein Tief in der Nähe entsteht oder vorbeizieht, starte erst, wenn es durch ist. • Wenn das Fenster nur einen Teil der Strecke abdeckt, plane einen Zwischenhafen. • Wenn alles passt und die Crew bereit ist, starte, auch wenn es nicht perfekt ist.
Typische Fehler
• Termine über das Wetter stellen: Flüge von Crew, Rückreise oder Rallyestarts verführen zu schlechten Entscheidungen. • Zu früh im Jahr starten: Die Hurrikan-Saison endet offiziell, aber späte Stürme kommen vor. • Zu spät in die Biskaya: Herbststürme sind dort berüchtigt. • Nur ein Wettermodell.
Unser Tipp
Plane deine Langfahrt in groben Jahreszeiten und lass innerhalb jeder Etappe viel Puffer. Wer ein halbes Jahr Spielraum hat, kann auf gute Fenster warten. Wer feste Termine hat, wird früher oder später in schlechtes Wetter fahren. Gute Langfahrtplanung heißt: Zeit statt Mut.
Mehr aus Langfahrt planen